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Keratokonus (Crosslinking)...

...Methoden und Verfahren der modernen Augenchirurgie

 

Liebe Patientin, lieber Patient!

Sie interessieren sich für das Krankheitsbild des Keratokonus. Bei dieser Erkrankung kommt es zu einer meist fortschreitenden Auswölbung der Hornhaut, welche die Sicht beeinträchtigt und in letzter Konsequenz in vielen Fällen zur Hornhaut-Verpflanzung mit den damit verbundenen Risiken führt. Wir führen an unserer Klinik sowohl Hornhaut-Verpflanzungen als auch eine neue Therapieform, das sogenannte Crosslinking Verfahren zur Therapie des Keratokonus durch.

Häufigkeit und Ursachen

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Keratokonus auftritt liegt bei 1:2000. Die Ursachen des Keratokonus sind heutzutage noch weitgehend unbekannt. Er kommt familiär gehäuft vor, was unter anderem auch für eine vererbte Ursache sprechen kann. Der einzige gesicherte Umstand, der ein hohes Risiko für die Entstehung eines Keratokonus darstellt, ist heftiges und häufiges Augenreiben über Jahre hinweg (zum Beispiel bei Allergien).

Symptome

Beim Keratokonus kommt es zu einer vermehrten Auswölbung und Vorwölbung der Hornhaut. Da die Hornhaut ein wichtiger Bestandteil der Optik des Auges ist, entsteht dadurch eine Reihe verschiedener Symptome: diese umfassen Schwankungen in der Sehschärfe, eine Abnahme der Sehschärfe trotz Korrektur mit Brillenglas oder Kontaktlinse, das Wahrnehmen von Lichtringen um Leuchtquellen (“Halos”) sowie eine erhöhte Lichtempfindlichkeit und Blendung.

Zeitlicher Verlauf

Wir unterscheiden zwischen der “stillen” Form des Keratokonus, der sogenannten “Forme Fruste” und der “progressiven” Form, dem voranschreitenden Keratokonus.
Forme Fruste: Die “Forme Fruste” ist 10mal so häufig wie die fortschreitende Form. Sie
erzeugt in der Regel keinerlei Symptome und ist für den Patienten von einer normalen Hornhautverkrümmung, die über ein Brillenglas korrigiert wird, nicht zu unterscheiden. Entdeckt wird sie häufig zufällig anlässlich einer augenärztlichen Kontrolle. Sie muss nur ärztlich beobachtet, bei stabilem Zustand aber nicht behandelt werden.
Progressive Form: Diese ist aggressiv und kann sich bereits im Teenageralter bemerkbar machen. Mit Fortschreiten der Erkrankung wird die Korrektur der Sehschärfe mittels Brillengläsern immer schwerer, da die Vorwölbung der Hornhaut unregelmäßig ist.
Ein solch unregelmäßiger “Astigmatismus” (Hornhautverkrümmung) kann besser durch Kontaktlinsen korrigiert werden, da diese einen Druck auf die Hornhaut ausüben und die gröbsten Unebenheiten ausgleichen können.
So ist in einer bestimmten Phase der Erkrankung eine gute Sehversorgung möglich, bei der die Betroffenen bis zu 100% Sehkraft erreichen können.
Nimmt die Vorwölbung der Hornhaut jedoch weiter zu, so kommt der Zeitpunkt, an dem auch harte Kontaktlinsen nicht mehr getragen werden können, da sie immer wieder herausfallen.
Mit der zunehmenden Auswölbung wird die Hornhaut unterhalb des Zentrums immer dünner. Sie kann durchbrechen und vernarben. Dies setzt die Sehschärfe auf Dauer herunter.
Die bislang einzige Möglichkeit der Therapie bestand darin, die erkrankte Hornhaut zu entfernen und durch eine Spender-Hornhaut zu ersetzen (Hornhaut-Transplantation). Eine solche Operation ist jedoch eine Organverpflanzung mit den damit verbundenen Risiken und Komplikationen. Ein angemessenes Sehvermögen wird häufig erst ca. 2 Jahre nach der Operation erreicht.
Zudem trifft die Hornhautverpflanzung beim Keratokonus oft junge Menschen, die mit der transplantierten Hornhaut noch viele Jahrzehnte leben werden, was heißt, dass das Transplantat über Jahrzehnte hinweg einwandfrei funktionieren muss.

Was ist Crosslinking?

Crosslinking (Quervernetzung) ist eine Methode zur mechanischen Stabilisierung von Geweben.

Ist Crosslinking neu in der Medizin?

Nein. Das Crosslinking von Geweben wird in anderen Fächern der Medizin (Orthopädie, Ohren-Nasen-Hals, Herzchirurgie) bereits seit vielen Jahren eingesetzt. Das Anwenden von Crosslinking am Auge ist jedoch neu.

Wie funktioniert Crosslinking?

Crosslinking bewirkt eine erhöhte Zahl von Quervernetzungen zwischen den Fasern eines Gewebes. Dies ist vergleichbar mit einem Netz, das zusätzliche Verstrebungen erhält und dadurch mechanisch stabiler wird.

Crosslinking der Hornhaut

Crosslinking der Hornhaut wird durch eine Kombination von UV-Bestrahlung mit Verabreichung von Riboflavin-Augentropfen (Vitamin B2 Abkömmling) erreicht. Die Intensität der UV-Strahlung ist dabei so gewählt, dass die unter der Hornhaut gelegenen Augenstrukturen nicht betroffen werden.

Die Operation

Die Operation kann ambulant durchgeführt werden. Sie dauert mit der Vorbereitung ca. 2 Stunden und erfolgt unter örtlicher Betäubung. In einem ersten Schritt wird die Versiegelungsschicht der Hornhaut, das Epithel entfernt. Dies ist notwendig, damit die Riboflavin-Augentropfen (Vitamin B2) in die Hornhaut gelangen können. Anschließend wird die Hornhaut für 30 Minuten mit UV-Licht behandelt. Am Ende der Operation wird an der Hornhaut eine Verbands-Kontaktlinse angelegt. Diese verbleibt einige Tage auf dem Auge und wird dann entfernt.

Ziel der Operation

Ziel der Operation ist es, die Vorwölbung der Hornhaut zu stabilisieren. Die Erkrankung kann also nicht rückgängig gemacht, sondern im besten Fall “eingefroren” werden. Sollte später aus irgendwelchen Gründen eine Hornhaut- Verpflanzung notwendig werden, so kann diese jederzeit durchgeführt werden.

Nach der Operation

Postoperative Schmerzen: Durch die Operation ist ein Teil der Hornhautoberfläche offen, vergleichbar mit einer Schweisserblende oder Schneeblindheit. Dies verursacht zum Teil starke Schmerzen, was nach dieser Art von Operation normal ist. Lassen Sie sich durch die Schmerzen also nicht beunruhigen. Sie klingen langsam ab und sind in der Regel nach ca. 48 Stunden praktisch verschwunden.
Die Nachsorge: An den ersten 3 Tagen nach der Operation führen wir täglich Kontrollen durch. Tag 4 bis Woche 6: während dieser Zeit sind morgens und abends entzündungshemmende, antibiotische Augentropfen anzuwenden.

Was Sie wissen sollten

Rötung: Ihr Auge wird ca. 2 Wochen deutlich gerötet bleiben. Dies ist normal und sollte Sie nicht beunruhigen.
Kratzen, Brennen und Beißen: Dies kann ca. 6-8 Wochen andauern. Zur Linderung der Beschwerden verschreiben wir Ihnen künstliche Tränen, welche Sie beliebig oft anwenden können.
Verschwommene Sicht: In den ersten 6 bis 8 Wochen nach der Operation kann die Sicht verschwommener sein als zuvor. Nach dieser Zeit werden Sie die gleiche oder eine bessere Sehschärfe haben wie vor der Operation.
Blendung durch helles Licht: Kann in den ersten Wochen nach der Operation ausgeprägt sein.

 

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